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Oktoberfest 2026: Die finale Besetzung nach Absagen und Wirtewechseln

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Kurz vor dem Anstich ist die Wiesn-Besetzung so gut wie komplett. Doch zwischen den ersten Zulassungsentscheidungen im Frühjahr und dem Aufbau im September hat sich mehr verändert, als die offizielle Liste auf den ersten Blick erkennen lässt.

Es lohnt sich, genau hinzuschauen. Denn „neu auf der Wiesn“ und „Nachrücker“ sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Christine und Lorenz Stiftl sind beispielsweise 2026 neu im Paulaner-Festzelt. Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel sind neu in der Schützenlisl. Und Sabine Erhard übernimmt die Historische Kegelbahn. Diese Wechsel standen jedoch bereits im Zuge der regulären Wiesn Vergabe fest.

Anders sieht es bei Bartls Flößerstadl und dem Chaos Pendel aus. Beide kamen erst ins Spiel, nachdem bereits vorgesehene beziehungsweise zugelassene Betriebe nachträglich ausgefallen waren.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil die Auswahl gewaltig ist: Für die Wiesn 2026 bewarben sich nach Angaben der Stadt 954 Betriebe, 478 wurden zugelassen. Darunter sind 36 gastronomische Betriebe, 243 Schaustellergeschäfte und 182 Marktkaufleute sowie weitere Servicebetriebe. Auf der Oidn Wiesn wurden aus 109 Bewerbungen 45 Betriebe ausgewählt.

Der spektakulärste Wechsel: Münchner Stubn raus und Bartls Flößerstadl rein

Der wohl deutlichste echte Nachrückfall dieser Wiesn passierte Anfang Juli.

Alexander Egger und Kathrin Wickenhäuser-Egger waren ursprünglich auch 2026 wieder mit ihrer Münchner Stubn vorgesehen. Noch Ende April wurde öffentlich über die Wiesn-Vergabe berichtet und die Münchner Stubn gehörte zu diesem Zeitpunkt weiterhin zur geplanten Besetzung. Parallel stritt Egger allerdings bereits juristisch mit der Stadt über die Vergabe größerer Festzelte.

Dann kam die überraschende Wende: Anfang Juli teilte Egger mit, die Münchner Stubn 2026 nicht aufzubauen. Damit wurde nur wenige Wochen vor Beginn des Oktoberfests plötzlich ein gastronomischer Standplatz in der Wirtsbudenstraße frei. Im Umfeld seines Vergabestreits berichtete Egger auch von Anfeindungen gegen sich und sein Umfeld. Ob diese allein ausschlaggebend für den Rückzug der Münchner Stubn waren, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Informationen allerdings nicht eindeutig ableiten.

Nun griff das Nachrückverfahren.

Klaus Bartl war nach übereinstimmenden Berichten der nächste nicht zum Zuge gekommene Bewerber auf der entsprechenden Punkteliste. Am 7. Juli gab es grünes Licht, am 8. Juli wurde öffentlich bekannt: Bartl bekommt den frei gewordenen Platz. Er hatte sich bereits in den Jahren zuvor wiederholt erfolglos um einen Wiesn-Standplatz beworben.

Und Bartl kommt nicht einfach mit einer Kopie der Münchner Stubn.

Mit Bartls Flößerstadl entsteht eine neue Enten- und Hühnerbraterei mit rund 400 Plätzen. Klaus Bartl und Christian Erhardt setzen thematisch auf die Münchner Isar- und Flößertradition. Das passt zu ihrer eigenen Geschichte: Beide sind mit dem Campingplatz München-Thalkirchen verbunden, der auf dem Gelände der ehemaligen zentralen Floßlände liegt, und führen gemeinsam den Almwirt in Haar. Historische Fotografien, alte Ruder, Holz und Elemente der Flößerei sollen diese Verbindung auch im Zelt sichtbar machen.

Kulinarisch bleibt es bewusst bayerisch: Hendl, Ente und klassische Wiesngerichte, ergänzt um moderne Geflügelgerichte sowie vegetarische und vegane Alternativen. Ausgeschenkt wird Augustiner aus dem Holzfass. Gleichzeitig setzt das Konzept auf regionale Lieferanten, Bio- und Fairtrade-Zutaten, Ökostrom und Mehrwegsysteme.

Damit ist Bartl nicht nur ein neuer Wirt, sondern der eindeutigste gastronomische Nachrücker der Wiesn 2026.

Zweiter echter Nachrücker: Die Zugspitzbahn schafft es nicht und das Chaos Pendel kommt

Auch bei den Schaustellern musste die Stadt nach der ursprünglichen Planung noch einmal umdisponieren.

Eigentlich sollte 2026 die traditionsreiche Münchner Zugspitzbahn zurückkehren. Betreiber Marco Eckl hatte das Fahrgeschäft übernommen und seit Herbst 2025 aufwendig restauriert. Die Rückkehr auf die Theresienwiese war bereits fest eingeplant.

Doch daraus wird zumindest 2026 nichts.

Eckl bestätigte Anfang Juli, dass benötigte Teile wegen Lieferschwierigkeiten nicht rechtzeitig eintreffen würden und die Restaurierung deshalb nicht rechtzeitig abgeschlossen werden könne. Die Zugspitzbahn musste ihre Wiesn-Teilnahme absagen.

Was danach geschah, ist interessanter als die verkürzte Formulierung „Chaos Pendel ersetzt Zugspitzbahn“.

Denn das Chaos Pendel wurde nicht einfach auf exakt den freigewordenen Standort gestellt. Nach Angaben des Wirtschaftsreferats wurde zunächst Skyfall umplatziert, um die durch den Ausfall der Zugspitzbahn entstandene Lücke zu schließen. Auf den dadurch frei gewordenen Platz rückte anschließend das Chaos Pendel von Willi Ottens junior nach.

Das zeigt auch, wie Nachrücken bei Fahrgeschäften funktioniert. Hier entscheidet nicht ausschließlich der nächste Punkt auf einer Rangliste. Die Stadt muss unter anderem Größe, Strombedarf, Wasser- und Abwasseranschlüsse, Bewegungsradius des Fahrgeschäfts und die Gesamtgestaltung des Festplatzes berücksichtigen. Ein 40 Meter hohes Pendel lässt sich schließlich nicht beliebig dort aufstellen, wo vorher ein Kinderkarussell oder Laufgeschäft vorgesehen war.

Das Chaos Pendel gehört nun zur finalen Besetzung. Es schleudert seine Fahrgäste bis auf etwa 42 Meter Höhe und erreicht bis zu 80 km/h. Dabei dreht sich nicht nur der große Arm: Er hängt an einem schwenkenden Propeller, während sich zusätzlich die Gondeln um ihre eigene Achse bewegen. Dadurch überlagern sich mehrere Bewegungsrichtungen.

Eine kleine historische Feinheit gehört allerdings dazu: Die Stadt spricht bei Ottens‘ Chaos Pendel von einer Wiesn-Premiere. Der Fahrgeschäftstyp selbst war aber bereits 2018 unter anderem Betreiber auf dem Oktoberfest vertreten. Für Ottens‘ heutiges Geschäft ist 2026 also Premiere und für das Grundprinzip des Chaos Pendels eine Rückkehr nach acht Jahren.

Paulaner-Festzelt: Neue Wirte, aber keine kurzfristigen Nachrücker

Der prominenteste Wirtewechsel 2026 betrifft zweifellos das Paulaner-Festzelt.

Nach mehr als zwei Jahrzehnten endet dort die Ära von Arabella Schörghuber. Ihre Nachfolger sind Christine und Lorenz Stiftl. Dieser Wechsel war allerdings bereits am 21. Mai 2025 öffentlich angekündigt worden – also lange vor der eigentlichen Zulassungsrunde für die Wiesn 2026. Deshalb wären die Stiftls journalistisch falsch als kurzfristige „Nachrücker“ zu bezeichnen.

Für die Stiftls ist der Wechsel trotzdem ein großer Schritt. Lorenz Stiftl bringt mehr als zwei Jahrzehnte Wiesn-Erfahrung mit, unter anderem aus dem Wienerwald beziehungsweise „Zum Stiftl“. Gemeinsam mit Christine betrieb er zuletzt die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn; beide führen zudem Münchner Gastronomiebetriebe. Mit dem Paulaner-Festzelt übernehmen sie erstmals eine der großen Brauereifesthallen.

Der Wechsel löste allerdings einen Dominoeffekt aus.

Schützenlisl: Drei neue Wirte, neues Bier und ein Rechtsstreit

Weil Christine und Lorenz Stiftl ins Paulaner-Festzelt wechseln, wurde die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn frei.

Bereits Mitte April zeichnete sich die neue Lösung ab: Michael Bietsch, Florian Fendt und Manfred Kneifel erhielten den Zuschlag. Bietsch kommt praktisch von nebenan. Bislang betrieb er die Historische Kegelbahn. Fendt und Kneifel stehen hinter der Münchner Suppenküche.

Das Trio will bewusst nicht alles umkrempeln. Der Charakter des Volkssängerzelts soll erhalten bleiben, vor allem bleibt Traudi Siferlinger musikalische Leiterin. Gleichzeitig gibt es eine weithin sichtbare beziehungsweise schmeckbare Änderung: Statt Augustiner wird nun Hacker-Pschorr aus dem Holzfass ausgeschenkt. Die neuen Wirte kündigen außerdem neue Impulse bei Gastlichkeit, Qualität und Programm an.

Ganz reibungslos war die Vergabe allerdings nicht. Alexander Egger und Kathrin Wickenhäuser-Egger hatten sich ebenfalls für die Schützenlisl beworben und gingen juristisch gegen die Entscheidung vor. Das Verwaltungsgericht München lehnte den Eilantrag im Juni ab. Anfang Juli ließ Egger auch die entsprechende Beschwerdefrist verstreichen, womit das neue Trio für die Wiesn 2026 Planungssicherheit bekam.

Auch hier gilt deshalb: Bietsch, Fendt und Kneifel sind neue Wirte und Nachfolger der Stiftls, aber keine erst im Sommer nach einer überraschenden Absage nachgerückten Bewerber.

Die nächste Dominostufe: Sabine Erhard übernimmt die Historische Kegelbahn

Der Wechsel von Michael Bietsch in die Schützenlisl machte wiederum seinen bisherigen Platz frei.

Die Historische Kegelbahn auf der Oidn Wiesn bleibt erhalten und wird 2026 von Sabine Erhard übernommen. Auch die dazugehörige Kugel-Bar gehört zum Betrieb. Die Stadt führt Erhard inzwischen offiziell als neue Betreiberin.

Das ist für die Oide Wiesn durchaus wichtig: Statt durch den Aufstieg Bietschs einen Traditionsbetrieb zu verlieren, bleibt die historische Attraktion bestehen. Es handelt sich somit um eine direkte personelle Nachfolge innerhalb der Oidn Wiesn, aber ebenfalls nicht um einen erst im Juli oder August notwendig gewordenen Notfall-Nachrücker.

Café Theres’: Lena Eckart folgt auf Oliver Wendel

Ein weiterer Wirtewechsel findet im Café Theres’ statt. Neben der langjährigen Festwirtin Katharina Wiemes steht 2026 erstmals Lena Eckart an der Spitze des traditionsreichen Kaffee- und Weinzelts.

Eckart bringt Erfahrung aus der Gastronomie im Werksviertel mit und nutzt ihre erste Wiesn gleich für einige sichtbare Veränderungen. Der Straßenverkauf wird deutlich größer, Matcha kommt neu auf die Karte, im Zelt wurden Farben und Atmosphäre verändert, es gibt ein zusätzliches Damen-WC und zeitweise ein Streichquartett am Vormittag beziehungsweise Mittag. Bezahlt wird bargeldlos.

Auch Lena Eckart ist damit eine neue Wiesnwirtin und Nachfolgerin, aber kein kurzfristiger Nachrückfall nach der bereits bekanntgegebenen Zulassungsliste.

Bodos: neues Zelt, aber derselbe Wirt

Ein weiterer Punkt, der schnell mit einem Betreiberwechsel verwechselt werden kann, ist Bodos Cafézelt.

Hier bleibt Otto Lindinger Festwirt. Neu ist das Zelt selbst. Die bisherige Aluminiumkonstruktion wird durch einen komplett neuen Holzbau ersetzt. Das Zelt erhält eine Galerie mit größerer Bar sowie einen überdachten Straßenverkauf. Trotz des Neubaus bleibt die Zahl von 587 Plätzen unverändert.

Es handelt sich also um eine der auffälligsten gastronomischen Neuerungen 2026 – aber ausdrücklich nicht um einen Nachrücker.

Und die anderen neuen Fahrgeschäfte?

Neben dem nachgerückten Chaos Pendel stehen zwei weitere Neuheiten auf der offiziellen Liste: Shake & Roll von Else Schäfer und Fisherman’s von Franz Xaver Kollmann.

Shake & Roll ist eine Weiterentwicklung des klassischen Break Dance, bei der sich die frei aufgehängten Gondeln überschlagen können. Fisherman’s ist ein 2026 fertiggestelltes, dreistöckiges Lauf- und Belustigungsgeschäft im Stil eines Fischerdorfs mit Wassereffekten und einem vorgelagerten Parcours.

Beide wurden regulär für 2026 zugelassen. Sie sind Neuheiten – keine Nachrücker.

Auf der Oidn Wiesn fällt dagegen nach Angaben aus der Wiesn-Fachszene das Motodrom 2026 ersatzlos weg. Ein öffentlich belastbar dokumentierter Nachrücker für diesen Betrieb ist bislang nicht benannt worden. Auch das Calypso kehrt 2026 nicht zurück.

Was ist mit Standlern und Marktkaufleuten?

Gerade hier ist eine saubere Einschränkung wichtig.

Die Stadt nennt für 2026 insgesamt 182 zugelassene Marktkaufleute. In den bis zum 10. September öffentlich zugänglichen städtischen Informationen und in der einschlägigen Wiesn-Berichterstattung ist jedoch kein weiterer namentlich dokumentierter später Nachrücker aus diesem Bereich zu finden.

Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es hinter den Kulissen keinerlei Umbesetzung eines einzelnen Verkaufsstands gegeben haben kann. Die eigentlichen Zulassungsentscheidungen und Rangfolgen werden zum Teil nichtöffentlich behandelt. Ohne Veröffentlichung der kompletten ursprünglichen und der endgültigen Beschickerliste lässt sich jeder einzelne interne Platztausch daher nicht unabhängig rekonstruieren.

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